Der gute Kölner Südstadthonig

Bienenstöcke in der Großstadt? Dürfen Veganer Honig essen? Sterben die Bienen aus? Zeit, uns mit Frank Methien zu treffen, damit er diese Fragen beantworten kann. Der Imker aus der Südstadt hat kurioserweise eine Bienenallergie. Aber auch sonst würde er sich den weißen Anzug mit der Netzhaube anziehen. Er steht auf dem Dach eines Schuppens in der Koblenzer Straße und sieht nach, wie es seinen Bienen geht. Kaum hat er den Deckel der Bienenkiste geöffnet, summt und schwirrt es um ihn herum. Die Fotografin Barbara hat glücklicherweise ihr Teleobjektiv auf der Kamera. Aus sicherer Entfernung fotografiert sie, wie Frank Methien die Wabenrähmchen aus der sogenannten Magazinbeute zieht und sie gegen die Sonne hält. Vor vier Jahren kam das Imkern zu Frank Methien in Gestalt eines älteren Herrn. Der kam in die Feuerwache, in der Methien als Berufsfeuerwehrmann arbeitet, um sich für die Zusammenarbeit zu bedanken. Schließlich ist es nicht üblich, einen Imker zu rufen, wenn ein Notruf bei der Feuerwehr eingeht: „Hilfe, hier hat sich ein Bienenvolk im Baum versammelt!“. Dann kommt der Imker, sammelt das Bienenvolk ein und nimmt es mit.

Foto: Barbara Siewer

„Ich hatte mir gerade ein Smartphone gekauft und mir eine App zur Baumerkennung runtergeladen. Die Bäume, die mir früher mein Vater erklärt hat, erklärt mir jetzt ein Telefon. Mir schien das sehr absurd, und außerdem: Wer kann mir sagen, ob die App sich nicht doch irrt? In diesen Tagen, in denen ich den Eindruck hatte, meinen Bezug zur Natur und auch zur Herkunft der Lebensmittel zu verlieren, in diesen Tagen kam der Imker und mit ihm meine Idee, selbst zu imkern.“ Am Anfang braucht man natürlich Hilfe. Man belegt Kurse, lernt die Bienen kennen, übt, wie man eine Durchschau macht, wie man Waben liest. Der Kölner Imkerverein hilft, man trifft sich 4-5mal im Jahr.

Im Frühjahr und Sommer schaut Methien alle sieben Tage nach seinen Bienen. Er hat verschiedene Standorte in der Stadt. Seit neuestem auch im Innenhof von ‚Törtchen Törtchen’ in der Apostelnstraße, direkt neben den Gästen. Da Bienen aber Vegetarier sind und sich nicht für menschliches Essen interessieren, läuft der Gast nicht Gefahr, dass ihm die Bienen die Törtchen abtragen. Aber zum Frühstück gibt es in Zukunft dort jetzt den Honig von den eigenen Innenhof-Bienen. „Seit ich imkere, habe ich die Natur und das Wetter viel mehr im Blick. Wenn es kalt ist, sind mehr Flugbienen in der Beute, ist es warm, sind die Beuten leerer, weil sie unterwegs sind. Jeder Imker hat seine eigene Philosophie. Keiner kann wirklich sagen weiß, was da genau passiert. Sicher ist, dass die Königin bis zu 2.000 Eier am Tag legt und die Biene in ihrem Lebenszyklus verschiedenste Aufgaben erledigt. Ca. 30.000-50.000 Tiere, je nach Jahreszeit sind in ein Volk.“

Foto: Barbara Siewer

Stirbt die Biene, stirbt der Mensch? Stimmt das so? Frank Methien hat sich mit dieser These schon auseinandergesetzt: „Volkswirtschaftlich betrachtet ist die Biene nach dem Huhn das zweitnützlichste Tier. Sie übernimmt einen Großteil des Bestäubens, wobei das auch die solitär lebenden Bienen und andere Insekten wie Fliegen und Wespen tun. Wenn es die Bienen nicht mehr gäbe, könnte man die Blüten auch mit Wattestäbchen von Hand bestäuben. Man würde aber nur die Pflanzen bestäuben, die dem Menschen nützlich sind, und die Artenvielfalt wäre bald nicht mehr gegeben. Wir würden mit der Biene auf jeden Fall einen sehr wichtigen Bestäuber verlieren.“


Die Natur der Biene ist es, zu sammeln. Sie entscheidet nicht, wann es genug ist. Sie kann im Jahr bis zu 50kg Honig je Volk sammeln, obwohl sie so viel gar nicht braucht. Sie muss sammeln, weil ihr Volk im Winter sonst verhungert. Hat ein Volk ein Problem wie Milben (sein Hauptgegner), dann wird es geschwächt und ist im Winter zu klein. Denn im Winter bilden die Bienen eine Kugel, weil sie die Form mit der geringsten Oberfläche ist, und die Bienen vorm Auskühlen schützt. Die Bienen können durch Muskelkontraktion den ganzen Winter in der Beute, bzw. im Inneren der gebildeten Kugel eine konstante Temperatur von ca. 25°-30°C halten. Am äußeren Rand der Kugel darf die Temperatur nicht unter ca. 8°-7° Grad fallen. Und so bewegt sich die Kugel innerhalb der Wabengasse entlang, um die Vorräte zu verzehren. Ist die Reihe abgefuttert, muss sie eine Wabe weiter ziehen. Ist das Volk aber zu klein, schafft es das u.U. nicht und verhungert. Hier kommt der Imker ins Spiel: Durch umsichtiges Umschichten sorgt er dafür, dass das Volk weiter fressen kann, und er füttert auch vor der Einwinterung und nach der letzten Ernte Zuckersirup bei, der zudem weniger Kohlenhydrate als Honig hat, was dazu führt, dass die Biene weniger ausscheiden muss (was sie nur außerhalb der Beute tut). Das nutzt ihr im Winter sehr, wenn sie nicht ´raus kann. Veganer essen keinen Honig, weil sie keine Tiere ausbeuten wollen. Methien philosophiert, dass man streng genommen die Bienen ja schon in dem Moment ausbeutet, indem man ihre Leistung als Bestäuber nutzt, wenn man Pflanzen und Früchte isst.

Foto: Barbara Siewer

„Imkern ist überhaupt kein hipper Trend, das "hip" ist absolut mediengemacht. Den Kölner Imkerverein gibt es seit 1882. Ich bin eines der jüngeren Mitglieder, und ich bin jetzt auch schon 45. Aber Imkern macht mir einfach Spaß, es beruhigt mich. Ich habe wieder die Natur im Auge, kann entscheiden, ob ich eingreife oder nicht. Am Anfang hatte ich so viele Fragen, aber die Fragezeichen verschwanden mit der Zeit. Das Verrückte ist nur: manche Fragenzeichen kehren wieder.“ Er lacht. Am Anfang fühlte er sich als der Retter der Bienen. Dann musste er aber feststellen, dass das viel zitierte Bienensterben so einfach nicht stattfindet. Viel eher haben wir hier ein Imkersterben, denn die Hobby-Imker sterben buchstäblich weg, und den Beruf des Imkers gibt es so eigentlich nicht. Man kann aber eine dreijährige Ausbildung als ‚Tierfachwirt Fachrichtung Imkerei’ machen. Ansonsten ist es ein zeitintensives Hobby mit hohen Anlaufkosten. Wenn man davon leben will, muss man auch Kurse geben, Königinnen züchten, Zubehör verkaufen etc.

„Wenn Bienen sterben, hat das die unterschiedlichsten Gründe. In den USA findet z.B. eine massive Bestäubungsimkerei statt: Die Bienen werden teilweise mit LKW und Flugzeugen über das ganze Land verfrachtet und arbeiten am jeweiligen Standort die Tracht ab: z.B. in Kalifornien die Mandelblüten, danach geht es weiter nach Florida zu den Orangen usw. Wobei die Wanderimkerei bei uns auch verbreitet ist und teilweise auch gemacht werden muss aufgrund der Monokulturen. Aber Monokulturen tun der Biene einfach nicht gut. Daher ist der Großstadthonig besser für Mensch und Tier. Denn hier gibt es keine Monokulturen und auch weniger Pestizide.

Foto: Barbara Siewer

Honig an sich ist wahrscheinlich das unbehandelteste Lebensmittel überhaupt. Das Bio-Siegel kostet Geld, man muss sich seine Vorgehensweise zertifizieren lassen, und die höheren Kosten legt man dann wieder auf den Preis um. Deshalb hat sich Methien bisher noch nicht dafür entschieden, seinen Honig als Bio zertifizieren zu lassen. Die Bienen bewegen sich in der Umgebung, in der wir uns selbst bewegen und sammeln an den Blüten der Südstadt, hauptsächlich an den Bäumen, die es dort gibt. Jeder Käufer kann sich nun selbst überlegen, ob ihm dies ausreichend Bio ist. 2-3 mal im Jahr wird der Honig geerntet Schleudern nennt das der Imker. Wer den Südstadthonig probieren will, geht zu Feinkost Berens ‚An der Eiche’, in den Gemeinschaftsgarten Kölner Neuland oder zu Frank Methien selbst.

Mehr Infos: Facebook-Seite

Methien empfiehlt diese Seite für alle Bienen-Interessierten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Meine Südstadt

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