Synapsen Pogo mit Spilli

„Es gab ein paar witzige Ideen, die man aufs Papier bringen konnte, aber die grundlegende Idee, die Story mit dem durchgehenden Handlungsstrang - die fehlte. Keine Ahnung, ob mir ein Studium weitergeholfen hätte, Germanistik oder Journalistik. Aber seit meinem Abitur war nichts mehr gelaufen, außer der Band und irgendwelchen Nebenjobs, einer Menge Parties und einer Menge Beziehungen, die alle innerhalb einer Drei-Monats-Spanne endeten“ (Zitat aus ‚Synapsen Pogo’).

Foto: Dirk Gebhardt/laif

Markus Spiller schrieb den Roman „Synapsen Pogo“. Ich treffe mich mit dem Schöpfer der Figur Martin Metzel in der Lotta, „seinem natürlichen Lebensraum“, denn Spiller, genannt Spilli, ist der dienstälteste DJ der Lotta, wobei der Begriff ‚Dienstältester’ eher Assoziationen zur Deutschen Bahn als zu Markus Spiller aufkommen lässt. Spilli ist nicht mehr Mitte 30, hat dennoch ein jungenhaftes Auftreten und ist auf keinen Fall so planlos wie der Protagonist seines Debütromas „Synapsen Pogo“: er ist Gitarrist der Band ‚Stereobite’, als Dozent an der Deutschen Pop Akademie beschäftigt, selbstständig als Webdesigner, und legt aus Bock ab und zu noch in der Lotta auf.

Aus dem Klappentext des Romans: Metzler ist Mitte 30, und es läuft überhaupt nicht. Er hat kaum eine Party ausgelassen, jobbt in der Bar seines Freundes Remmi und wartet auf einen Impuls, der seine Existenz mit Inhalten füllt. Irgendwas muss sich ändern. Zwei Dinge tauchen auf. Zuerst Svenja, die ihm auf einer Rolltreppe entgegenschwebt, an ihm vorbeigleitet und wieder verschwindet. Vorerst. Dann die Maserati-Anzeige. Top-Karre, Spott-Preis. Metzler und Autoexperte Remmi wittern den großen Deal. Doch zuerst müssen sie die knapp 20.000 Euro für den Wagen auftreiben. Aber das ist eher das kleinere Problem...

In der Lotta ist es laut. Bayern spielt gegen Juventus Turin. Das ist uns aber egal. Spilli und ich, wir verstehen uns auf Anhieb gut.

Wann hast Du das Buch geschrieben? 2006 war ich in der Türkei im Urlaub. Es war um die 50°C, und ich hielt mich den ganzen Tag im klimatisierten Apartment auf. Ich hatte meinen Laptop dabei, aber keinen Zugang zum Internet. Aus Langeweile und Mangel an Abwechslung habe ich einfach angefangen, zu schreiben. Nach dem Urlaub hatte ich schon 80 Seiten, und immer, wenn ich nichts zu tun hatte, schrieb ich weiter. 2011 war der Roman fertig. 80 Seiten in wenigen Tagen – warum hast Du so lange für die weiteren 220 Seiten gebraucht? Ich brauche einige Zeit, um wieder in den Schreibfluss zu kommen. Das ist mit der Gitarre ähnlich: Wenn man einige Zeit nicht gespielt hat und sie wieder zur Hand nimmt, sind die Finger noch steif, und es fühlt sich holprig an, bis man wieder in den Fluss gerät.

Foto: Dirk Gebhardt/laif

Und wie hat das mit dem Schreiben bei Dir angefangen? Ich komme vom Punkrock und habe früher immer schon gerne im Sauerland und Ruhrpott für Punkrockfanzines geschrieben. Dabei ist der größte Schriftsteller für mich Heinrich Böll.

Was würdest Du den Lesern denn von Heinrich Böll empfehlen? Als Einstieg empfehle ich „Was soll aus dem Jungen bloß werden?“ Die „Ansichten eines Clowns“ sind auch nach wie vor beeindruckend. Im Moment lese ich aber gerade mal wieder was von Don Winslow. Sein „Frankie Machine“ ist schon ein sehr geiles Buch.“

In Deinem Buch erkennt man einige Orte wieder, aber Du hast die Namen verändert. Warum hast Du nicht die echten verwendet? „Ich möchte nicht, dass man das als Leser einfach abgleicht und sagt: ‚Das ist doch aber in der Lotta ganz anders.’ Ich habe echte Orte zur Inspiration genutzt, aber vieles dazu erfunden. Darum fühlt es sich falsch an, die richtigen Namen zu verwenden.“

Du bist nicht nur Autor, sondern auch Musiker? „Ich spiele Gitarre bei Stereobite. Wir produzieren gerade ein Album mit Jon Caffery, das ist natürlich aufregend (Jon Caffery hat schon die Toten Hosen, Wir sind Helden, 2raumwohnung u.a. produziert, Anm. der Red.). Ich spiele in Bands, seit ich 17 Jahre alt bin. Bei Stereobite bin ich jetzt der Älteste. Zu dem Buch gibt es auch einen Song. Ich könnte ihn ja während der Lesung spielen, aber dann müsste ich einen Verstärker mitbringen. Und dabei genieße ich es, nur eine Kiste Bücher zu einer Lesung bringen zu müssen. Ich spiele seit so vielen Jahren in verschiedenen Bands und bin mit ihnen getourt. Da freue ich mich, nur mit kleinem Gepäck auftreten zu können.“ Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr Infos:

Homepage von Markus Spiller

Dieses Interview erschien zuerst bei www.meinesüdstadt.de

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