„Wo sich Männer gegenseitig die digitalen Eier schaukeln“ oder Das INTERACTIVE Festival 2017

Vom 16.-17. findet in Köln zum 5. Mal das INTERACTIVE Festival statt. Es richtet sich an Menschen aus der Digital- und Kreativwirtschaft und alle, die sich für Zukunftsthemen interessieren. Der Sprecher des Festivals, Joachim Vranken, betont, dass die Kommunikation zwischen Gründern und alteingesessenen Firmen, zwischen Unternehmern und Kreativen gestärkt werden soll. Diesmal werden die Themen #RETAIL, #MEDIA/VR, #COMMUNITY, #GROWTHund #SPORTS besprochen. Und immer schön ein Hashtag davor, damit jeder merkt: Hey, jetzt gehts ums Internet.

Gefördert wird das Ganze von der IHK Köln, der Stadt Köln und der Digitalen Wirtschaft NRW. Dennoch kosten die Tickets 150€, wenn man nicht die Frühbucherpreise in Anspruch nimmt.

Vor drei Jahren besuchte ich das Festival, das damals noch Interactive Cologne hieß. Nicht alle Informationen sind noch aktuell (wie der Ticketpreis). Hier mein Bericht vom 23. Mai 2014, den ich für Meine Südstadt verfasste:

Foto: Jasmin Klein

„Wo sich Männer gegenseitig die digitalen Eier schaukeln“

Mit diesem Satz hat Moderatorin Anja Backhaus gleich zu Beginn für einen Lacher gesorgt. Aber es sind nicht nur Männer hier. Es ist die Eröffnungsveranstaltung des zweiten Interactive Cologne Festivals, ein Fest für alle Menschen, für die die digitale Welt kein Neuland mehr ist. Hier sind die Menschen, die sich seit Jahren beruflich und/oder privat mit dem Internet beschäftigen und sich (nicht erst seit Edward Snowdon) damit auseinander setzen, was die digitale Entwicklung für das menschliche Miteinander und die Gesellschaft bedeutet und in Zukunft auch bedeuten kann.

Organisiert wird das Festival von einem Team aus mehreren Berufsgruppen und Branchen, unterstützt u.a. vom Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Bildung, von kalaydo.de, Dumont-Schauberg, denkwerk und grandcentrix sowie vielen weiteren Sponsoren und Kooperationspartnern. Das Programm ist ambitioniert, es gibt an die 100 Redner (hier genannt: Speaker), unzählige Coachings, Diskussionsrunden (Talks) kombiniert mit Meetups, Networkings und Präsentationen. Es finden Workshops für Existenzgründer (hier genannt: Start Ups) statt und ein Wettbewerb (Pitch) für eben solche (‚TV smiles’ gewinnt einen Messestand auf der nächsten dmexco (Digital Marketing Exhibition Conference) sowie Vorträge (Keynotes) von Experten. Es gibt aber auch Orte, an denen man sich als Besucher mit anderen treffen und mit ihnen netzwerken oder einfach nur stumm in sein Smartphone tippen kann. Der Festivalpass kostet 250€, vielleicht ist deshalb der Andrang in der Trinitatiskirche überschaubar. Es gibt keinen Platzmangel, aber angesichts der doch sehr interessanten Veranstaltungen ist es einfach bedauerlich, dass in manchen Vorträgen nur wenige Interessierte sitzen. Umso intensiver sind jedoch die Erkenntnisse, die man mitnehmen kann. Und auch für Interaktion mit dem Vortragenden ist genug Zeit und Raum. So lernt man, warum es für Unternehmen heute wichtig ist, Online Videos über youtube zu hosten, oder was es mit Feedbackmethoden in Unternehmen auf sich hat.

Doch nicht nur in der Kirche am Filzengraben finden die Veranstaltungen des Festivals statt. Im Design Quartier Ehrenfeld findet u.a. ein sog. Hackathon statt, und im Kölner Dom gibt der Multiinstrumentalist Gregor Schwellenbach ein interaktives Konzert mit Smartphones und der Kirchenorgel. Aber es ist eben auch ein Festival, und so wird auch abends in der ‚Wohngemeinschaft’ (Richard-Wagner-Straße) oder im Stadtgarten gefeiert. Die Interactive Cologne Festival so zeitnah nach der re:publica stattfinden zu lassen, war vielleicht nicht so geschickt. Denn die deckt ganz ähnliche Themen in viel größerem Rahmen ab. Trotzdem ist das Festival ein gelungenes Event, spannend und notwendig, und es hat noch viel mehr Besucher verdient. Nach den Keynotes von Johnny Häusler, der anschaulich und unterhaltsam die 8jährige Entwicklung der von ihm mitgegründeten re:publica (größte, deutsche Konferenz rund um das Web 2.0) aufzeigt, erwische ich ihn vor seiner Rückfahrt nach Berlin und kann ihm noch einige Fragen stellen. Wir treffen uns an einem Stehtisch im Innenhof der Kirche, der während des Festivals zum Loungebereich umfunktioniert wurde. Hinter mir stehen ein Kameramann und eine Redakteurin, die mit den Hufen scharren, weil sie Häusler auch noch vors Mikrofon bekommen möchten. Johnny raucht eine Zigarette und verbreitet trotz der knappen Zeit eine entspannte Atmosphäre.

Wie hoch ist Dein Klout Score? Keine Ahnung. Was hältst Du vom hyperlokalen Portalen wie www.meinesüdstadt.de? Das ist ja eigentlich genau auch die Grundidee des Bloggens: dass man lokal berichtet. Je lokaler ein Blog ist, umso schwieriger

Foto: Jasmin Klein

wird allerdings die Refinanzierung. Da sind dann auch 2-3 Leute, die da mitmachen, und die Kosten sollen ja wieder reinkommen. Die Zielgruppe ist einfach sehr überschaubar, aber ansonsten ist das Format natürlich schön. Was macht ein Festival erfolgreich? Die Gäste, die Menschen, die kommen. Und für uns ist die re:publica auch immer noch das Event, auf das wir selbst gerne gehen würden. Wir sind vier völlig unterschiedliche Menschen (es gibt vier Gründer, Anm. d. Red.), und dadurch decken wir sehr viele Felder ab, die dann auch für andere interessant sind. Was kommt nach facebook? Wohin geht die Reise? Es sollte schon weitergehen, aber abgeschirmter, mit mehr Kontrolle über die eigenen Daten. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass facebook und das Internet wie ein öffentlicher Marktplatz sind. Trotzdem bin ich dafür, immer auch seine Meinung zu sagen. Hat Dich die Snowdon-Beichte auch so erschüttert wie Sascha Lobo? Allerdings. Es ist dreist, dass die Geheimdienste eine Komplettüberwachung der ganzen Welt anstreben. Es ist irrsinnig und ein Skandal, gegen den wir uns vehement wehren müssen. Weil eine ständige Überwachung aus uns andere Menschen macht. Man verändert sich einfach dadurch. Du hast mit Deiner Frau zusammen den hilfreichen Elternratgeber „Netzgemüse, Aufzucht und Pflege der Generation Internet“ geschrieben. Was rätst Du Deinen Söhnen zum Thema Datenschutz?


Wohl dasselbe, was alle Eltern raten (lacht). Ansonsten haben wir zu Hause klare Regeln für den Umgang mit Computer und Smartphones, die aber auch immer wieder neu verhandelt werden. Und nachts kommen die Smartphones in die Aufladestation.

INTERACTIVE Festival 2017

Interactive Cologne GmbH

Mittwoch, 16. August 2017, 10:00 Uhr - Donnerstag, 17. August 2017, 18:00 Uhr

Köln, Deutschland

Blog von Johnny Häusler Elternratgeber "Netzgemüse"

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